Räuberische Bedrohung, Kugelschreiberzeichnung auf Postkarte, 1974
Räuberische Bedrohung, Kugelschreiberzeichnung auf Postkarte, 1974

Über die Bedeutung des Namens

Der Personenname ist mehr als nur ein Unterscheidungs- und Einordnungsmerkmal, er hat eine magische Kraft im Hinblick auf das Gemeintsein.

Wenn kleine Kinder ihren Namen hören, wissen sie, dass sie gemeint sind.

Mit ihrem Personennamen verbinden sie eine Zuwendung und Hinwendung ihrer Eltern und anderer Menschen zu ihrem Persönlichkeitskern, zu ihrem ganz individuellen Sein. Mit ihrem Namen fühlen sie sich als unverwechselbare Individuen gemeint. Der Name hat eine gleichsam magische Kraft.

In früheren Zeiten war der Name, den die Eltern ihren Kindern gaben, mit einem Vertrauenserweis, einem Vertrauensvorschuss und einer Segnung verbunden. Leider war aber die Zahl der Namen begrenzt. Es kam zu einer Namensinflation. Es gab Namen, die sehr häufig und wiederum andere, die eher wenig vergeben wurden. Der Grund für dieses Phänomen lässt sich im Personenkult finden. Eltern glaubten, ihren Kindern dadurch einen Segen zu bereiten, indem sie sie nach berühmten, verehrten oder gar vergötterten Persönlichkeiten benannten. So heißen in muslimischen Ländern ein Großteil der männlichen Kinder Mohammed, Ahmed oder Ali. In den westlichen Kulturkreisen haben sich Modenamen herausgebildet, die sich an Filmidolen orientieren oder die sich, wegen ihres guten Klanges, von einzelnen Personen ausgehend, schnell verbreiten und sich innerhalb bestimmter Generationen häufen. Die noch zwischen dem neunzehnten und dem ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts üblichen Versuche, die eigenen Kinder durch die Namen bedeutender Politiker und Staatsmänner zu ehren, gerieten ins Hintertreffen, nachdem sich viele dieser Staatsmänner als unwürdig herausstellten, so z.B. bei dem Namen „Adolf“. Die Eltern vergaben in der Folge die Namen nach Modeerscheinung und Klang, beinahe wie zufällig. Auf die Bedeutung der Namen kam es den Westlern gar nicht mehr an. Kaum einer kannte und kennt noch die Bedeutung seines Vornamens. Aber es ist interessant zu beobachten, dass der Reiz der westlichen Kulturträger an außergewöhnlichen, klangvollen Namen mittlerweile zugenommen hat. Ich sehe darin eine durchaus positive Entwicklung. Denn mit der Zunahme seltener alter und neuerer Vornamen aus verschiedenen Kulturkreisen wird auch wieder das Interesse an den Bedeutungen dieser Namen und ihres individuellen Bezuges zu ihren Trägern wach.

In den alten Zeiten – denken wir ruhig an das, was uns die Bibel darüber überliefert – waren die Personennamen noch direkt auf ihre Träger zugeschnitten. Das waren völlig individuelle Namen und die Träger dieser Namen fühlten sich persönlich angesprochen und gemeint. Dasselbe kann man noch heute bei den Naturvölkern vorfinden.

Erst später wurden die Personennamen immer willkürlicher und anonymer und beinahe völlig durch den Nach- oder Geschlechternamen ersetzt, welcher den Vorrang hatte. Schließlich kam es auf das Individuum erst nur in zweiter Linie an. Die individuellen Vornamen wurden innerhalb anonymer Staatsapparate immer bedeutungsloser. Heute lässt sich – was ich positiv bemerken muss – allmählich eine Rückkehr zu der individuellen Namensgebung registrieren, die in einem positiven Kontrast zu der versuchten Machtergreifung neuerdings mit nackter Gewalt agierender imperialistischer Globalisten steht. Letztere wird misslingen. Doch die Zahl der unschuldigen Opfer bis zu ihrem vollständigen Scheitern hängt von uns ab. Last uns den Menschen in seiner Wichtigkeit als unverwechselbare, unabdingbare Person behandeln und nennen! Lasst uns nicht durch andere unserer Würde berauben!