Religion und Metaphysik überhaupt sind das Pulverfass linksgrüner Ideologen.
Linksgrüne Wokeness-Ideologen, die kritisch denkende Menschen angreifen, weil sie sich mit den Moralkonzepten verschiedener Religionen wertend auseinandersetzen, zeigen sich, indem sie diesen Kritikern die Toleranz absprechen, selbst überhaupt nicht tolerant.
Sie geben vor, sie würden alle Religionen akzeptieren, weil diese angeblich alle in ihrem Kern dieselbe unbegreifliche Wahrheit anstreben würden, (der man sich in religiösen Grundaussagen ohnehin nur vage nähern könne). Wenn nun ein Kritiker aber im echten Sinne auf dem Fundament einer Religion baut, indem er dessen Unterschiede zu anderen Religionen, die ja tatsächlich vorhanden sind, wertend hervorhebt, dann wird er sofort als Fundamentalist und als gesellschaftsfeindlicher Kleingeist betrachtet, abgewertet und diffamiert. Mitunter ist der verächtliche Ausdruck „Fundi“ im Munde solcher Ideologen ein durchaus willkommenes Schimpfwort, da es die Konnotation des mordlustigen Islamisten, den natürlich auch sie nicht akzeptieren wollen, mit sich führt, wobei sie aber vergessen, dass gerade dieser Islamist die Religion, in der er aufgewachsen ist, immerhin besser verstehen sollte, als sie selbst. Es geht nicht an, sämtliche Islamisten als hirnlose Idioten zu betrachten, die von ihrer eigenen Religion keine Ahnung hätten. Durch solche Kunstgriffe überheblicher, aber als Demut getarnter Diffamierung machen linksgrüne Ideologen deutlich, dass sie Jeden, der eine Religion und ihre Aussagen ernst nimmt, im Grunde zutiefst verachten und eine differenzierte Auseinandersetzung mit ihm und seinen Ansichten scheuen, und interessanterweise ist es gerade der christliche Glaube, nicht aber so sehr die vorgeblich christliche Machtkirche, gegen den sich ihre Abneigung und ihr ganzer Hass richten. Mit anderen Worten: Sie spielen sich als Moralapostel auf, indem sie jeden, der eine bestimmte Moral vertritt, moralisch verurteilen, und zwar aus dem alleinigen Grund, dass er sich überhaupt moralisch positioniert hat. Das ist natürlich ein Widerspruch in sich selbst und eines Philosophen oder einer Philosophin von Grund auf unwürdig. Und es zeigt, dass solche Ideologen die Religionen, die sie vorgeblich schützen wollen, überhaupt nicht ernst nehmen. Sie sind wahrheitsflüchtig, indem sie uneingestanden glauben, dass Wahrheit ein unerforschtes Konzept sei, auf das man sich mehrheitlich einigen müsse, um eine Entscheidung zu treffen, da die Wahrheit allenfalls in einer unendlichen Annäherung (und folglich überhaupt nicht) erreichbar wäre. Ihr Gott will also die Wahrheit verbergen, statt sie zu enthüllen. Einem derartigen ideologischen Konzept liegt entweder spirituelle Gleichgültigkeit oder ein existenzielles Harmoniebedürfnis, das seinen Ursprung in einer stark angstbesetzen Traumatisierung hat, zugrunde. Sinnvolle Argumente können bei solcher Geisteshaltung auch gar nicht gegeben werden, es bleibt bei persönlicher Diffamierung oder auch Fluchtverhalten. Darum schließen sie sich auch dem Mainstream einer Ideologie an, die jedwede Meinung gleichzumachen wünscht, weil Gleichheit Einheit garantieren solle. Freilich ist das eine ziemlich zweifelhafte Einheit, die auf fraglosen Konventionen beruht und allenfalls dort berechtigte Argumente vorzubringen weiß, wo in ihren besten Vertreterinnen die Vorzüge der Weiblichkeit innerhalb unserer auf Imperialismus und Unterdrückung basierenden Gesellschaftsordnung hervorgehoben werden, Vorzüge allerdings, die durch eine Befürwortung und das geforderte „Recht“ auf Abtreibung zugleich verächtlich gemacht und ad absurdum geführt werden sollen.
Interessanterweise hat die linke Mainstream-Ideologie mit der ihr völlig entgegengesetzten Weltanschauung der Esoteriker eines gemeinsam: die Leugnung der Authentizität biblischer Schriften, die unter beiden Geistesrichtungen – entgegen aller wissenschaftlichen Beweiskraft – als gefälscht und vielfach verändert gelten. Und dies nicht ohne Grund. Denn die Bibel, geschrieben von zahllosen Zeitzeugen ganz verschiedener Jahrhunderte, ist die einzige (vorislamische) Schriftensammlung, die in einem klaren, einheitlichen Geist und gegen den jeweils herrschenden Zeitgeist verfasst worden ist und von der Wahrheit als Wesenheit zeugt. Die Texte wurden nach strenger Vorschrift tradiert und uralte archäologische Texte zeigen gegenüber neueren Abschriften keine Veränderungen. Nicht die Schriften als solche wurden also gefälscht, sondern die Übersetzungen unterliegen zum Teil etymologischen Interpretationsfehlern. Der Geist ist dennoch ein und derselben. Und gegen diesen Geist richten sich alle, die sich selbst zu ihrem Privatgott machen wollen, ob durch mystische Eigenermächtigung oder eine Einigung im menschgemachten Mainstream.
Es kommt aber auch gar nicht darauf an, sich von irgendeiner Schrift bestechen zu lassen. Das wäre Religion (nach Cicero von „religere“ stammend, in der Bedeutung von „immer wieder lesen“, sich gebetsmühlenartig einverleiben). Religion ist – darin hat die Esoterik recht – nur ein Ersatz für echte Spiritualität. Daher sagte Paulus: „Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig“ und empfahl die inspirierten Schriften – unter Prüfung – als „nützlich“ und „lehrreich, also keineswegs als „Christi Fleisch und Blut“.
Nur haben eben auch die Esoteriker – trotz vieler interner Unterschiede untereinander – eine gemeinsame Religion pantheistischer Selbsterlösung. Darin und nur darin stehen sie wider Willen dem linksfaschistischen Mainstream nahe.
Ist Wahrheit in ihren Grundprinzipien tastsächlich nur in einer vagen, unendlichen Annäherung erfahrbar? Oder auch gar nicht wie im Mainstream-Denken, wo jeder nur die eigene Wahrheit verkörpert, die nur noch allgemein vereinigt werden müsse?
Ich möchte es so formulieren: Die Wahrheit ist wie eine Person, die man kennen und lieben lernt. Wer eine Person kennen und lieben gelernt hat, kennt auch den unverkennbaren Charakter dieser Person und lässt sich nicht durch ein Double täuschen. Damit sind freilich die endlosen Tiefen dieser Person noch lange nicht ausgeschöpft. Das bedeutet aber nicht, man müsse sich dieser Person erst in einem unendlichen Prozess annähern, um sie kennenzulernen und zu erkennen. Das wäre höllisch, und diese Art von Hölle hat Kafka beschrieben. Freilich: Ohne Urvertrauen (des Embryos zu den himmlischen Mächten und des Neugeborenen zu seinen Eltern) und ohne das in ihm begründete Vertrauen können wir weder erkennen noch wissen. Wer moralische Maßstäbe (und ihre Kritik) vollkommen ablehnt, der oder die hat sicher auch keine moralische Fantasie.

