Titel: Feuerbaum, Liquid-Gouache, 2022 
Titel: Feuerbaum, Liquid-Gouache, 2022 

Über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religionen

Organisierte Religionen verbergen und verkehren zu allen Zeiten in ihren Dogmen die Wahrheiten, die sie enthalten.

Man kann Religionen nicht vereinigen.

Sie lehren entweder verschiedene Aspekte, die sie in selbstherrlichem Alleinanspruch dogmatisieren, oder definitiv Falsches und Widersprüchliches. Jede Religion hat zumindest einen wahren Aspekt, aber eine ganze Reihe wohldefinierter Aussagen, in denen sie anderen Religionen widerspricht.

So geht der Hinduismus zwar, den offenbaren Tatsachen entsprechend, von einem geistigen Ursprung allen physischen Seins und von einer Hinaufentwicklung physischer Daseinsformen in großen, durch geistige Kräfte gelenkten Zyklen und Weltperioden aus, lehrt aber angebliche Reinkarnationen von Menschenseelen sowie die gänzliche Auflösung und sinnlose Wiederholung von Weltenzyklen als eine gesetzmäßige Tatsache. Es besteht hier keine Trennung zwischen Gott und Schöpfung, darum herrscht Polytheismus und Götter huldigen und verehren einander. Der Hinduismus ist voller Götzendienerei.

Im Buddhismus wird die Aufgabe eines sinnlos begehrenden Willens zugunsten der Gelassenheit in Gott gelehrt, was allerdings den Menschen nottun würde. Aber die Gottheit ist hier unpersönlich. Allein ein transzendentes geistiges Selbst wird konstatiert, das aber in einer unsichtbaren Realität verbleibt. Und die menschliche Individualität bleibt nach dem Tod nicht erhalten.

So bekennt dagegen der Islam zurecht, dass es nur einen persönlichen Gott und eine Unsterblichkeit der Geistseele gibt, lehnt aber die Menschwerdung und das Erlösungsopfer Gottes ab und bestreitet, dass Menschen im Angesicht Gottes füreinander einstehen könnten. Hier bleibt jeder Mensch ein Sklave, eine Marionette Gottes. Söhne oder Töchter Gottes sind im Islam unmöglich.

Die Bahaí-Lehre, aus dem Islam hervorgegangen, bekennt zwar, dass alle Menschen Brüder sind und nach göttlichem Willen brüderlich verbunden sein sollten, lehrt aber die angeborene Göttlichkeit und Sündlosigkeit gewisser Verkünder, die zugleich Religionsstifter seien und einen Evolutionsimpuls für eine ganze Epoche in Gang setzen würden. Messiasse gibt es hier zahllos viele und die Zahl der Geschöpfe und Zeitalter wird für faktisch unendlich ausgegeben.

Die katholischen und protestantischen Kirchen lehren zwar, dass Gott in Jesus Fleisch geworden ist und ein Erlösungsopfer für alle auf sich nahm, verwässern jedoch die Bedeutung der Auferstehung im Sinne eines geistig-luftigen Daseins und leugnen die Auskunft der Bibel, wonach es auch ein Reich Gottes auf dieser Erde geben wird. Sie leugnen das künftige messianische Zeitalter, an das zu glauben in der Urchristenheit selbstverständlich war. An Unverständnis, Inkonsequenz, Zeichendeuterei und Aberglauben bis hin zur praktizierten vollständigen Verhöhnung Gottes ist die christliche Religion die mit Abstand reichhaltigste.

Dagegen lehrt die gegenwärtige jüdische Religion alle hier angesprochenen Wahrheiten, lehnt aber Jesus als Gottmenschen ab und sucht beständig einen rein menschlichen Messias als ihren politischen Erlöser, wodurch dann am Ende von den angesprochenen Wahrheiten, wie der von göttlicher Liebe und Verbrüderung der Menschen nicht mehr viel übrigbleibt.

Wahrheit, Irrtum und Lüge sind in allen Religionen bunt vermischt vorhanden, und das gilt für jede Religion. Zwischen betont religiösen Menschen und echten Gläubigen mit einer persönlichen Beziehung zu Gott gilt es zu unterscheiden. Religion aus Tradition und echter Glaube aus innerer Gewissheit und Gottesliebe sind zweierlei. Religiöses Zeremoniell und magische Zeichen ersetzen nur allzu oft die spirituelle Haltung. Religionen lassen sich von ihrem dogmatisch abgeschlossenen, systematisierten Konzept her grundsätzlich nicht mit dem Geist Jesu vereinbaren und versöhnen. Es fehlt ihnen – allen ohne Ausnahme – der Glaube an die Auferstehung, der Glaube an die ganzheitliche Verwandlung durch den persönlichen, dialogischen Gott und in den persönlichen Gott hinein bei vollständiger Erhaltung der einzigartigen Individualität. Das ist das Ziel des irdischen Lebens. Es wird durch keinen Denkungsakt herbeigeführt und besteht in keinem äußerlichen Bekenntnis, sondern in einer persönlichen Liebesbeziehung. Der persönliche Messias Jesus ist der Weg dorthin, der die Wahrheit und das Leben enthält. In der Christlichen Religion als der einzigen ist diese Lehre erhalten, aber in Anbetracht dieser Wahrheit zugleich unter einer am stärksten pervertierten, despotischen, machterheischenden Form von Dogmen verborgen, verbogen, verraten und ausgenutzt. Diese Lehre ist nicht überbietbar von einem unpersönlichen Christusimpuls, den man sich nur in einer Gemeinschaft zu eigen zu machen hat, wie Esoteriker wähnen.