Wer auch immer das Leben eines Menschen zielbewusst und ohne unmittelbare Notwehr zerstört oder den Inkarnationsprozess einer Geistseele nach ihrer Einwohnung in den materiellen Leib durch einen gewollten Eingriff abbricht, lädt eine Schuld auf sich, deren Ausmaße er nicht begreifen kann.
Schuldlos und ohne Sündenkarma tritt die menschliche Geistseele ins irdische Dasein, aber nicht ohne Belastung ihres Grundcharakters. Was sich unter Umstanden durch ihre eigene Schuld während des Engelssturzes zugetragen hat, ist durch ihren langwierigen Gang durch die Naturreiche abgegolten.
Ein traditioneller Irrtum muss ausgeräumt werden; Der Mensch hat keine Seele, etwa nur als einen feinstofflichen Zusatz zu seinem Körper, sondern der ganze Mensch ist seine Seele, sein vollständiger Geistseelenleib, ob nun im Erdenfleisch inkarniert oder auch nicht. Im Falle einer Inkarnation wird der gesamte Geistseelenleib inkarniert. Auf der Erde und anderen Himmelskörpern reift dieser Geistseelenleib in seinen Vorstufen durch den allmählichen Gang durch die Naturreiche aus. Alle Lebewesen, die auf der Erde oder anderen Planeten ausgeboren werden, sind Seelenanteile von Engeln der neunten Hierarchie, mit anderen Worten des „Kinderchores der Elohim“, die während des Aufstandes unter Luzifer zu ihrem eigenen Schaden bewusst verführt und als Mitläufer und Mittäter desintegriert wurden, sodass eine zweite Schöpfung neben der himmlischen zum Aufstieg durch die Naturreiche notwendig wurde. Die Desintegration war wohlgemerkt keine Strafe von Gott aus, sondern ein selbstverschuldetes Unglück, eine Katastrophe. Nun gibt es auf unserer Erde ältere und jüngere Menschenseelen, je nach dem Zeitraum, der zwischen dem vollständigen Zusammenschluss einer menschlichen Geistseele und ihrer irdischen Inkarnation verstrichen ist. Etliche Geistseelen kommen auch gar nicht aus den Naturreichen der Erde, sondern haben in einer feinstofflichen Form auf anderen Himmelskörpern existiert, deren Naturreichen sie ursprünglich entsprungen sind. Die Inkarnation als vollständiger Mensch auf dieser Erde ist aber für jeden Menschen die erste. Inkarnationen von nichtgefallenen Engeln des Kinderchores sind selten. Von Reinkarnationen weiß ich nichts. Sie dürften, wenn jemals geschehen, weit seltener sein als siamesische Zwillinge. Die meist oberflächliche Geistesart, der rein auf irdisches Ansehen, Erfolg und Reichtum gerichtete Sinn bei nur sehr geringen metaphysischen Interessen und der oft üble Charakter des überwiegenden Teils der Menschheit der Erde macht deutlich, dass die meisten von ihnen nicht, wie einige hinduistisch orientierte Esoteriker wähnen, „von oben“, sondern eben „von unten“ kommen, also aus den Naturreichen der Erde “ausgeboren“ werden. Dabei hängt es auch davon ab, durch welche Tierformen ihre Seelenkompartimente gemäß ihren besonderen begehrlichen Voreigenschaften gegangen sind.
Die Inkarnation in einer mütterlichen Leibesfrucht ist kein plötzliches Ereignis, sondern ein Prozess, der innerhalb eines bestimmten Zeitraums seinen Abschluss findet. Weder entsteht eine menschliche Geistseele und ihr Bewusstsein aus der organischen Materie, wie „Naturalisten“ glauben, noch wird sie zur materiellen Form von Gott aus dem Nichts hinzugeschaffen, wie der Katholizismus lehrt. Von einer stufenweisen Beseelung des Embryos über eine Pflanzen- und Tierseele bis zur menschlichen Vernunftseele ging der Kirchenlehrer Thomas von Aquin aus. Doch bedeutet dies nicht, dass er sich darum für eine zulässige Abtreibung im Stadium der Zwischenphasen ausgesprochen hätte. Ich gehe dagegen nicht davon aus, dass die menschliche Geistseele ihre Vorstufen während der Embryonalentwicklung durchmacht. Sie ist bereits vor der Einleitung der Inkarnation als vollständige Geistseele vorhanden. Dennoch muss es ein Stadium geben, in dem die Geistseele im Verein mit ihren zugeteilten Elohim gleichsam von außen an der Leibesfrucht arbeitet, ein weiteres Stadium, in dem sie sich in die Leibesfrucht zurückzieht und sich mit ihr verbindet, und eine dritte Phase in der sie von Innen den Leib gestaltet. Auch diese Unterteilung des Inkarnationsvorganges in einzelne Phasen berechtigt nicht, einen willkürlichen Schwangerschaftsabbruch nach dem Beginn des noch von außen wirkenden Inkanationsprozesses vorzunehmen, denn schon mit der Befruchtung der Eizelle, der Konzeption, wird dieser eingeleitet. Sicherlich hat ein Zellhaufen noch kein menschliches Bewusstsein, aber dieses befindet sich außerhalb der Leibesfrucht, und wir wissen nicht, ob der Geistseele nach dem Abbruch der weitere Versuch einer Inkarnation möglich sein wird. Wir können allerdings rein embryologisch davon ausgehen, dass sich der eigentliche Inkarnationsvorgang, die Verbindung der Geistseele mit der Leibesfrucht zwischen dem Abschluss der dritten Schwangerschaftswoche und dem dritten Schwangerschaftsmonat vollziehen wird. Spätestens in dieser Phase, aber mit Sicherheit danach handelt es sich bei jedem Schwangerschaftsabbruch um Totschlag oder Mord. Eine soziale Indikation ist nichts weniger als eine faule Ausrede. Eine medizinische Indikation kann moralisch nur im seltenen Fall einer akuten Gefährdung des Lebens der Mutter oder im Falle einer Vergewaltigung zugelassen werden. Niemals aber kann eine voraussichtlich vermutete oder genetisch nachgewiesene Behinderung des zu erwartenden Kindes ein akzeptabler Grund sein. Sogar für ein Kind, das mit einem Anencephalus zur Welt kommt, kann die kurze Lebenszeit, die ihm unter liebevoller elterlicher Fürsorge bleibt, ein unschätzbarer Gewinn und ein großer Entwicklungsvorsprung für das Leben danach sein.
Im Falle einer Vergewaltigung gibt es die mögliche Lösung der Pille danach, die insbesondere nach schwerer Traumatisierung des Opfers sofort eingesetzt werden sollte, wozu eine differenzierte Aufklärung für solche Fälle nötig wäre.
Viele, die an Reinkarnation glauben, nehmen eine Abtreibung auf die leichte Schulter, weil sie glauben, eine Inkarnation könne jederzeit wiederholt werden. Aber dem ist tatsächlich nicht so. Dass die ganze Menschheit sich in einem sehr üblen Zustand befindet, sollte keinem wachen Geist entgangen sein. Diese Menschheit missbraucht und zerstört die Naturreiche, nährt sich gedankenlos am Fleisch zahlloser zu Tode gemarterter Tiere, zeugt Kinder wie Frösche in den Pfützen, treibt die Leibesfrucht willkürlich ab und lässt den eigenen Nachwuchs geistig verwildern. So geschieht es, dass wegen des zunehmenden Raubbaus an den Naturreichen die Naturseelen mangels geeigneter Habitate nur noch unvollständig ausreifen können und obendrein wegen der hohen Zahl der Abtreibungen bei unzureichender Vorbereitungszeit Notinkarnationen im Schoß verantwortungsloser Eltern eingehen müssen. Dadurch steigert sich das Unheil von Generation zu Generation. Hinzu kommt eine geistige Bildungsmisere nie gekannten Ausmaßes. Gerade notgereifte Kinderseelen bräuchten nötiger denn jemals zuvor familiäre Geborgenheit und lebendige, kreative Anregung, denn sie verfügen nicht über den starken Willen und die moralischen Grundüberzeugungen älterer Geistseelen und sind, wenn oft auch lernwillig, ohne liebevolle Anleitung orientierungslos, so dass sie von verbrecherischen Machtmenschen missbraucht werden können.

