Liebendes Paar, 2022, Ölpastell
Liebendes Paar, 2022, Ölpastell

Über die Liebe Gottes

Die Liebe Gottes und sein Wille sind stets unbedingt, und sein „Zorn“ ist niemals immerwährend.

Ein einziger Satz des Paulus genügt, um die Idee von einem Monstergott, die spätestens seit Augustinus Einzug in die Welt- und Machtkirche gehalten und den geheimen oder offenen Gotteshass der Menschen angefeuert hat, für alle Zeiten zu widerlegen:

Timotheus 4,10: „Gott ist ein Retter aller Menschen, besonders aber der Gläubigen.“ Hier winden sich auch heute noch die meisten Theologen, Interpreten und Ausleger, um mehrere Ecken, um diesen Satz des Paulus in seiner befreienden Stäke abzuschwächen. Ein analoger Satz ist dieser: 1. Korinther 15, 28: „Wenn dann alles unter die Herrschaft von Christus gestellt ist, wird er selbst, der Sohn, sich dem unterstellen, der ihn zum Herrn über alles gemacht hat. Und dann ist Gott alles in allen.“ Fasst man beide Sätze zusammen, so kann es eindeutiger wohl nicht gesagt werden: Es geht um einen Prozess der stufenweisen Rückführung und Verwandlung aller Geistseelen zur Herrlichkeit Gottes, den Gott selbst unter der zunächst verborgenen, schließlich aber offenen Herrschaft Christi durchführt und durchführen wird, einen Prozess, der  zwar eine zeitliche und auch qualitative Rangordnung impliziert und in den schlimmeren Fällen durch viele selbstverschuldete, sogar äonische Gerichtserfahrungen hindurchgehen mag, jedenfalls aber nicht schon mit dem irdischen Tod zum endgültigen Abschluss gelangt. Das oberste Ziel ist die vollständige Leibwerdung Gottes auch in seiner ganzen Schöpfung. Eindeutiger kann es wohl nicht gesagt werden. Aber nein! Wie sehr haben sich die Kirchenlehrer nach Augustinus wie auch ausnahmslos die Sekten durch inkorrekte Übersetzungen darum bemüht, diese befreiende Botschaft abzuschwächen und zu verdrehen, indem etwa aus dem „in allen“ das pantheistische „in allem“ gemacht wurde oder das „Alle“ in „alle Gläubige“ umgefälscht wurde. Will man denn auch den Satz: „Gott ist ein Retter aller Menschen, besonders aber der Gläubigen“ etwa so zurechtschneidern: „Gott ist ein Retter aller Gläubigen, besonders aber der Gläubigen“? Ergibt das irgendeinen vernünftigen Sinn? Was hat man Paulus alles unterstellt! Viele Esoteriker und Feministinnen halten ihn unbesehen für einen Gründer des „exoterischen Christentums“ und in der Nachfolge nietzscheanischer Philosophie gar für den Grundsteinleger der Welt- und Machtkirche. Das war er mitnichten. Warum will man einem verblendeten Religionsfanatiker, der er ursprünglich war, nicht seine Bekehrung zu und seine Erleuchtung durch Jesus Christus zubilligen?

Die Liebe Gottes ist keine menschliche Liebe. Die Liebe der zeitgenössischen Menschen ist kaum mehr als ein lustvolles Begehren, welches das schwache, hungernde Ego sättigen soll. Sie ist eine treulose „Liebe“, die schnell verfliegt, sobald die Sättigung ausbleibt, ein romantisch aufgewertetes Begehren, das jederzeit in Hass umschlagen kann.   

Gott aber ist ein Gott der Treue, Unbedingtheit, Güte, Geduld und Langmut, darin besteht seine Liebe, die fern von allem Bösen ist und Leid und Böses nur zeitlich zulässt. Er steht zu seinem Willen und wird ihn erfüllen, und wer seinen Willen tun will, muss unbeirrbar, treu, geduldig und langmütig sein. Nur wer den Willen Gottes tut, ist auch ein wahrer Gläubiger im Sinne des Paulus, und eben für diesen Gläubigen gilt in ganz besonderem Maße die ausgesprochene Verheißung, dass er schon bald nach seinem Tod, wenn nicht sogar schon unmittelbar danach, bei Christus sein und aus den Labyrinthen des Hades gerettet sein wird.