Kriegsrekrutierung im Traumschlaf, 2025, Pastell
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Über den Sinn der Staatsordnung

Staatliche Verfügungen dürfen in individuellen Bereichen, wo es um Gesinnung, Gesundheit und Leben geht, keinen Zwang ausüben.
Was ist der eigentliche Sinn jeder Regierungs- und Staatsform?

Paulus brachte es im Neuen Testament auf einen Punkt: Die staatliche Rechtsordnung verfügt über „das Schwert“. Was heißt das? Ihre Aufgabe ist es, der allgemein verbreiteten Bosheit und Böswilligkeit der Menschen untereinander einen Riegel vorzuschieben. Für nichts anderes ist die staatliche Ordnung in ihren Vertretern berechtigt und verpflichtet. Der Staat ist nicht für Religion und individuelle Gesundheitsfragen zuständig, wobei er sich um die letzteren ohnehin nie gekümmert hat, wenn nicht ideologische Interessen anderer Art im Vordergrund standen.

Nun glauben insbesondere die Christlich-Religiösen, der Apostel Paulus habe dem Staat unumschränkte Macht eingeräumt, indem er behauptet habe, dass der Obrigkeit unter allen Umständen Folge zu leisten sei, indem nämlich „alle Obrigkeit von Gott“ wäre. Auf dieser oberflächlichen Interpretation paulinischer Worte gründet seit Jahrhunderten der Untertanengeist. Sämtliche Bürger christlicher Nationen glaubten, ihren Staatsorganen uneingeschränkten Gehorsam schuldig zu sein. Aber die Vertreter dieser Meinung haben ein Wort im Satz des Paulus vergessen. Was meinte denn Paulus wirklich? Er meinte eben ausschließlich nur den „schuldigen“ Gehorsam. Und den schuldigen Gehorsam sind wir der Staatsordnung eben nur in der allgemeinen Rechtsordnung des „Schwertes“, also hinsichtlich des Schutzes vor der Bosheit schuldig, sowie im Hinblick auf die im Sinne von Gerechtigkeit und Menschenliebe allgemein gültigen Maßstäbe des wirtschaftlichen Verkehrs. Das ist ganz im Sinne Jesu, der sagte, man solle dem Kaiser geben was des Kaisers ist, nämlich auf dem Gebiet der materiellen Wirtschafts- und Rechtsordnung, aber Gott, was Gottes ist, nämlich im Hinblick auf die Liebesordnung. Dass jede Staatsordnung dennoch von Gott sei, wie Paulus sagt, ob sie streng oder sanft, gerecht oder ungerecht sei, steht damit nicht im Widerspruch. Denn die Staaten haben eben genau nur jene Regierungsform, die dem jeweiligen geistigen Gesinnungsstand ihrer Einwohner entspricht, und an die Maßgaben, die dazu dienen, die allgemeine Ordnung unter Voraussetzung dieses meist üblen Gesinnungsstandes aufrecht zu erhalten, haben sich daher auch die zu halten, die sich für spirituell fortgeschritten halten.              

Dass eine Rechtsordnung (insbesondere im Straßenverkehr) nicht immer Recht garantiert, weil sie von unvollkommenen Menschen vertreten wird, ist eine Sache, eine andere ist es, wenn der Staat selbst in die Integrität der menschlichen Person und ihrer Persönlichkeitsrechte eingreift. Hier hat er nichts zu schaffen. Wenn er dies in seinen Vertretern dennoch tut, macht er sich an den Prinzipien schuldig, auf denen er selbst gebaut ist. Dann ist er zum allmählichen Verfall verurteilt. Die Philosophen der alten Griechen haben das immer gewusst. Der Zerfall eines Staates beginnt, wenn es den Menschen materiell zu gut geht und spirituelle Werte verloren gehen. Der materielle Wohlstand auf breiter Ebene hatte – obwohl eigentlich das Gegenteil der Fall sein sollte – bisher immer zur Folge gehabt, dass die meisten Menschen geistig träge wurden, so sehr auch der schlauere Teil von ihnen durch körper- und Verstandestraining aller Art versuchte, seine funktionelle Fitness aufrecht zu erhalten, um vor den anderen Menschen möglichst gut angesehen zu sein und möglichst lange am Leben zu bleiben – was freilich meistens vergeblich war, da dabei die geistigen Grundgesetze der inneren Freiheit und wechselseitigen Liebe weder geachtet noch anerkannt wurden. Eine Oligarchie, die von den charakterlich schlechtesten Menschen gebildet wird, ergreift in der Folge die Herrschaft im Staat und wirbt bei denen, die sie zu sättigen scheinen, um unhinterfragten Gehorsam. Aus einer Oligarchie wird eine Ochlokratie, eine Herrschaft der charakterlich Schlechtesten. Die Menschen wurden in den Industrienationen von Anfang an dazu erzogen, auf menschliche Autoritäten zu hören, deren Theorien und Meinungen sie bedingungslos akzeptieren sollten. Dazu wurden und werden sie schon in den Schulen konditioniert, in denen Kritik und selbstständiges Hinterfragen – wie zuvor schon in Sachen Religion – mittlerweile fast vollständig unerwünscht ist und grundsätzliche Fragen in Philosophie und Naturwissenschaft in aller Regel unbeantwortet bleiben. Gefördert wurde diese Geisteshaltung durch ein Spezialistentum, welches die unausbleibliche Folge des technokratischen Funktionalismus ist, also die Aufteilung der Menschheit in wohlerzogene Fachidioten, die in ihrem begrenzten Bereich als kleine Götter betrachtet werden, denen man alles unbeirrt glauben sollte.

Dadurch erreichte der Untertanengeist in unserer Gesellschaft ein bisher unübertroffenes Ausmaß. Nur so ist es beispielsweise erklärbar, dass der überwiegende Teil der Menschheit in den Industrienationen sich nicht entblödete, ein potenziell tödliches Zellgift, dessen nutzlose und schädliche Wirkungen sich jeder hätte ausmalen können, der sich genauer mit den stofflichen Grundlagen dieser Produkte beschäftigte, sich freiwillig in den Muskel injizieren zu lassen. Einer Liga inkompetenter und geistig unreifer Politiker, deren Charakterschwäche und ideologische Außenlenkung jedem gesunden, empathischen Menschen schon seit geraumer Zeit hätte einleuchten müssen, wurde mehr Beachtung geschenkt, als dem eigenen klaren Verstand. So ließen sich politische „Abgeordnet:innen“ auf Kongressen in hysterischen Schreiausbrüchen hetzend gegen diejenigen aus, die sich noch einen Rest vernünftigen Denkens bewahrt hatten. Dem Aufmerksamen sollte dabei nicht entgangen sein, dass sich hier, klar erkennbar, eine Form mentaler, spiritueller und ideologischer Besessenheit breitmachte, wie sie allen Phänomenen der Massenhypnose letztendlich zugrunde liegen. Das selbstständige Denken, die unabdingbare Grundlage der menschlichen Würde, wurde den Menschen selbst in so wichtigen Fragen, wie der körperlichen und geistige Gesundheit, auf deren Beachtung sie immer so stolz gewesen waren, fast gänzlich aberzogen. Dies alles sind Zeichen des unaufhaltsamen geistigen Niederganges (und leider auch des Unterganges von Millionen Menschen), freilich unter der Voraussetzung, dass nicht bald eine allgemeine Umkehr erfolgt, die immerhin noch möglich wäre.

Würden die Menschen einander vorbehaltlos achten und lieben, so bräuchte es keine äußeren Gesetze und keine besondere Staatsordnung mit Priestern, politischen Oligarchen und einem Monarchen oder Präsidenten an der Spitze. Selbstverwaltung in kleineren Gruppen und deren Koordination untereinander wären genug. Das Übel unter den Israeliten und ihr ständiger Kampf um den Frieden hängt damit zusammen, dass sie sich, seit König Saul, statt sich Gott und seiner Liebesführung anzuvertrauen, menschliche Herrscher mit gleicher Gesinnung wählten, von denen sie dann notgedrungen nichts als Unheil zu erwarten hatten.