Jede Form des Massengeistes und der gelenkten Massenhypnose gründet auf einem psychologischen Missverhältnis zwischen Selbstbehauptungs- und Verschmelzungswillen und setzt den Verlust der Identität und des selbstständigen Denkens voraus.
In der zeitgenössischen Psychologie gibt es eine Debatte über die Unterschiede von „Traits“ und „States“, wobei mit „Traits“ grundsätzliche Wesenszüge des Menschen und mit „States“ situations- und kontextabhängige Verhaltensstrukturen gemeint sind, die unter verschiedenen sozialen Rahmenbedingungen auch völlig anders sein könnten. In der Regel findet man bei sozialpsychologischen Untersuchungen fast immer nur States, was damit zu tun hat, dass es in unserer stark vorbelasteten Gesellschaftsordnung ausgesprochen schwer ist, echte Wesenszüge von sozialen Kontexten zu unterscheiden. Unser Zeitgeist neigt dazu, alles in Zustände aufzulösen und am Wesen des Menschen völlig vorbei zu gehen. Allein die moderne ätiologische Ableitung menschlichen Verhaltens aus biologischen und Umweltfaktoren spricht diesbezüglich ganze Bände. Unterschlagen wird dabei immer das eigentliche Wesen des Menschen und dessen wirkliche Eigenschaften, die in seinem persönlichen Willen begründet liegen. Der Erklärungsmodus bleibt materialistisch-mechanisch nach dem Muster groben Werkzeugdenkens. Grundeigenschaften wie Bewusstsein, Denken, Fühlen und Wollen bleiben ungeklärt und fallen unter den Tisch.
Demgegenüber behaupte ich, dass es in jedem Menschen durchaus gemeinsame Wesensgrundzüge gibt, die auszumachen sind und die in unterschiedlicher Weise seine individuelle Willensausrichtung formen. Diese Wesensgrundzüge basieren auf zwei polaren Säulen: Auf dem Streben nach Anerkennung und individuellen Beitrag zur Gemeinschaft, also dem Willen zur Selbstbehauptung und Abgrenzung gegenüber anderen auf der einen Seite und auf dem Wunsch nach Geborgenheit, Aufgehoben-Sein in der Gemeinschaft und schutzbedürftiger Sicherheit andererseits. Nun könnte man dem Willen zur Selbstbehauptung, Abgrenzung und Durchsetzung individueller Interessen als einen eher männlichen Wesenszug betrachten, den Wunsch nach Schutz, Geborgenheit und Sicherheit als einen eher weiblichen. Zumindest ist festzustellen, dass in der Außenlebenssphäre männlicher Personen erfahrungsgemäß immer der erstere Wesenszug, in der Außenlebenssphäre weiblicher Personen immer der zweite überwiegt. Daran ist schon erkennbar, dass es sich bei diesen beiden Grundtriebkräften um polare Willensrichtungen und somit auch um Wesenseigenschaften im Sinne von menschlichen „Traits“ handelt. Diese polar gerichteten Traits sind grundlegende persönliche Ausrichtungen des Willens und haben nichts mit sozialpsychologischer Anpassung an zugeschriebene Normen zu tun. Gewiss gibt es auch sensitive uns sensible Männer, die aufgrund traumatischer Erlebnisse sich eher aus der Öffentlichkeit zurückziehen und eine schützende Gemeinschaft aufsuchen, und es gibt Frauen die einen stark dominanten, auf ihre Umgebung gerichteten Willen entfalten. Aber in beiden Fällen kann von einer angestrengten Kompensation der ursprünglichen Willensausrichtung ausgegangen werden, nämlich in Reaktion auf psychosoziale Faktoren, woran erkennbar wird, dass die Willensrichtung nicht der ursprünglichen Disposition entspricht, die immer vorherrscht. In jedem Fall sind beide Wesenszüge, sowohl die Neigung sich anzupassen und zu verschmelzen, wie auch sich abzugrenzen und zu behaupten, bezeichnend für jeden Menschen. Es sind grundlegende Wesenszüge in je individueller Ausprägung, freilich aber immer polarisiert. Bei Männern ist der Behauptungswille in formender Weise nach außen gerichtet, während die Sehnsucht nach Einheit das Innenleben beherrscht. Bei Frauen wiederum beherrscht der Wunsch nach Einheit, Verschmelzung und Harmonie ihre Außenlebenssphäre, während das starke Bedürfnis nach Selbstbehauptung die Innensphäre beherrscht. Diese Polarisierung drückt sich in den äußeren Körperformen von Mann und Frau aus. Der nach innen gerichtete Selbstbehauptungswille der Frau formt die Organe komplex nach innen aus und macht sie gebärfähig. Der tätig und formend nach außen gerichtete Wille des Mannes begründet seine Zeugungsfähigkeit. Wo bei Menschen aber beide Pole in der umgekehrten Richtung zu agieren scheinen, ist immer ein gestörtes Gleichgewicht in unserer Gesellschaft anzunehmen. Wenn in einer menschlichen Gesellschaft die polaren Kräfte im Ungleichgewicht sind, fühlen sich Frauen gezwungen, um ihre Abgrenzung nach außen zu kämpfen zu ihrem Schutz, um die Geborgenheit wiederzugewinnen, die ihnen ein Mann geben könnte, und Männer fühlen sich gezwungen, sich im sozialen Verhalten nach Innen zurückzuziehen, um die verlorene Sphäre der Einheit, Innigkeit und Harmonie wieder zurückzugewinnen. Beide scheinbar entgegengesetzte Willensausrichtungen von Männern und Frauen entsprechen nicht den wahren schöpfungsbedingten polaren Verhältnissen, sondern zeigen geradezu das Hervortreten einer ausgleichenden Schutzfunktion gegenüber einer schwer gestörten Kommunikation zwischen den Menschen unserer Zeit an, verbunden mit einer permanenten psychischen Überforderung.
Das Vorhandensein dieser genannten polaren Eigenschaften in jedem Menschen bildet den Ausgangspunkt zu jeder Massenhypnose und -suggestion. In kleineren Stammesgemeinschaften lassen sich beide Grundwesenszüge am ehesten harmonisieren. Der Wille anerkannt zu werden und sich abzugrenzen, korrespondiert ursprünglich immer mit dem Wunsch nach harmonischer Gemeinsamkeit, und beide Traits lassen sich in kleineren Stammes- und Dorfgemeinschaften, in denen eine gemeinsame spirituelle Grundausrichtung vorherrscht und sich jeder in die Gemeinschaft einbringen lässt, in der Regel gut miteinander vereinbaren. Ein permanenter Dialog unter moralisch Gleichgesinnten war mit der Möglichkeit gedanklicher Differenzierung grundsätzlich gegeben. Mit der zunehmenden Verstädterung innerhalb der sogenannten Hochkulturen bis hin zu großen Staatengebilden ging die Harmonie und Einigkeit zunehmend verloren. Um die zunehmenden Großgemeinschaften unter einen Hut zu bringen, bedurfte es tonangebender Herrscher und damit der Installation von übergreifenden Ideologien, für die die Bürger der Staaten empfänglich gemacht werden mussten. In einer Gesellschaft, in der eine schmerzliche Vereinzelung und Vereinsamung von Individuen an der Tagesordnung ist, wird der Ruf nach einer gemeinsamen Identität und einer orientierenden Gesellschaftsgrundlage laut. Diese kann nicht mehr wie früher auf dialogischem Wege, basierend auf einer gemeinsam anerkannten göttlichen Grundlage, gewonnen werden. Der Einzelne ist orientierungslos geworden und schließt sich einer von oben gegebenen, durch Medien verbreiteten Meinungsrichtung bereitwillig an. Leider kommen aber diese ideologisch verbrämten Meinungsrichtungen nicht aus einer göttlich-guten Schöpfungsordnung der allumfassenden Liebe, sondern ganz anders woher. In diesem Sinne sind angenommene Ideologien auch immer Brutstätten des Hasses und des Gruppengeistes, in denen sich die Aggressionen der geschundenen Identität, der mangelnden Integration, des nicht-Gehört-Werdens und des Ressentiments rücksichtslos austoben, bewusst gewollt von selbsternannten, kriegstreibenden „Oberen“, die sich an die Stelle Gottes gesetzt haben.

