Gemälde von Richard Oliver Schulz

Über das Zusammenwirken von Leib und Seele

Die Tierseele ist von ihrem Leib umso abhängiger je weniger differenziert dieser ist.

Das Tier hat keine freie Gewalt über seinen Leib und kann diese auch nicht durch willkürliche Distanzierung erringen wie ein Mensch.

Es betrachtet sich als Teil seiner Umwelt, wenn auch als deren Zentrum und kann dieser kein freies Ich gegenüberstellen. Leibliche Regungen können weder unterdrückt noch entschieden verstärkt werden. Je weniger entwickelt und ausdifferenziert ein Tier ist, desto stärker ist sein Bewusstsein auch mit seiner Leibesorganisation verbunden, die allein es ist, die ein intelligentes Bewusstsein im primären Selbst des Tieres weckt, nämlich vermittelst des bloßen Nachempfindens und Miterlebens einer höheren, leitenden Intelligenz.
Innerhalb der ihm gegebenen Artintelligenz ist jedes Tier mehr oder minder in der Lage, selbständig Erfahrungen zu machen und Lernprozesse zu aktivieren und weiter zu entwickeln. Das gelingt oft in erstaunlich hohem Grade, ist aber stets sinnlich orientiert und kann den vorgegebenen Rahmen der Artintelligenz nicht überschreiten. Eine Metaebene ist grundsätzlich nicht möglich. Je höher die Organisation der Tierart entwickelt ist, desto höhere Freiheitsgrade sind dem einzelnen Individuum in seinen Entscheidungen gegeben. Eine eigentlich verantwortliche Entscheidung ist aber nur beim Menschen infolge seines geistigen Ichs möglich.