Der Babylonische Turm , Bleistiftzeichnung auf Zeichenpapier, 1976

Zur Rechtfertigung des Neuen Realismus als Mahnmal des „Weltgeistes“

Die Ideen des Neuen Realismus lassen sich rechtfertigen, ihre Rechtfertigung halten jedoch unserem Zeitgeist ein Mahnmal vor.

Die „Welt“, von der der Neue Realismus ausgeht, dass es sie nicht gäbe, gibt es tatsächlich, aber es gibt sie in ihrer Vollständigkeit bisher nur im Bewusstsein Gottes.

Die „Welt“, die die Menschen für ihre Welt halten, ist dagegen eine Illusion, die allerdings ihre eigene wirksame Qualität hat. Weder die himmlische Ordnung noch der Kosmos noch der Planet Erde ist mit dieser „Welt“ identisch, die der Zeit- und Weltgeist für die eigentliche Welt hält. Es ist eine erbärmliche Welt. Von dieser Welt erwarten die Menschen Anerkennung und Ruhm. Sie ist für ihn Ein und Alles. Dabei schließt diese angenommene Welt allein schon die Naturreiche, aus denen diese Erde wesentlich besteht, beinahe komplett aus, so als seien sie verzichtbar. Diese Welt der Menschen ist so eng, dass sich ein jeder fraglos für ihren Mittelpunkt hält, und es sind ganz verschiedene enge Welten, eigentlich für jeden Menschen eine eigene, ein eigenes kleines Gefängnis, in dem der Mensch sein eigener Herr ist. Des Weiteren sind solche privaten Welten vollgepfropft mit fraglos angenommenen Identifikationen. Eine Verantwortung für ein höheres Weltganzes geht solchen „Weltmenschen“ vollständig ab, mehr noch: Ihre „Welt“ lässt eine solche Verantwortung gar nicht zu. Es ist eine Welt, die nur für den jeweils Einzelnen da ist und die vergeht, wenn dieser Einzelne, wie sie glauben, in seinem Tod angeblich restlos vernichtet wird, gemäß dem alltagsbürgerlichen Motto: „Nach mir die Sintflut“, sodass diese seine Welt dann niemanden mehr etwas angeht und der Betreffende seinen zweifelhaften Ruhm in ihr, sofern dieser ihm denn je zuteilgeworden sein sollte, ganz für sich allein genossen hat.
Es sind Welten, die sich von der Welt Gottes ganz bewusst und vollständig abgesondert haben und den Glauben ihrer Erschaffer, ganz ohne Gott auskommen zu können, scheinbar bestätigen. Inzwischen erleben wir eine Situation, in der alle Menschen, die zurecht derartigen Vorstellungen widersprechen, als „unbescheidene“ Fantasten abgeurteilt werden. Also auch eine völlige Verdrehung des Begriffes der Demut wird in den Weltbildern solcher Weltmenschen vorgenommen, die sich falscher Bescheidenheit rühmen. Diese Demut falscher Bescheidenheit ist in Wahrheit aber keine Demut vor einem Weltganzen, das sich uns als Schöpfung Gottes präsentiert. Es ist vielmehr ein erheucheltes und unbesehenes Gutheißen aller anderen kleinen „Weltchen“, die neben dem eigenen kleinen „Weltchen“ noch aufzutreten beanspruchen. In diesem Sinne sagte Jesus, dass sein Reich nicht von „dieser Welt“ sei, wobei mit „dieser Welt“ die einzelnen kleinen „Weltchen“ – sprich: Schaumblasen der Weltmenschen – gemeint sind, die in einer großen künstlichen Pseudowelt zusammenfließen. Dieser großen von unsichtbar bleibenden Leitern geschaffene Pseudowelt als anvisiertem, aber verschwiegenem Ziel ordnen sich dann die Ziele der einzelnen Menschen fast automatisch unter. Im Hinblick auf dieses, dem einzelnen Menschen verborgene Ziel werden schließlich alle Menschen zu austauschbaren Rädchen in einem Getriebe degradiert. Alle Menschen sind in dieser gemeinsamen Pseudowelt gleich und in ihrer weltabhängigen Gleichheit untereinander auch scheinbar „tolerant“ – sprich: gleichgültig den offenbaren Unterschieden gegenüber. Somit sind sie nicht nur theoretisch völlig gleich vor dem Gesetz, was sie ja praktisch meistens nicht sind, sondern vor allem auch im Hinblick auf die besondere Wertigkeit ihrer einzelnen kleinen Weltbläschen völlig gleichwertig und gleichgütig. Da sich nun aber auch die Wertigkeit der eigenen Person im Hinblick auf das angestrebte neue Weltsystem nach der geringen Bedeutsamkeit der persönlichen „Weltbläschen“ richtet, sind die Vertreter dieses Weltsystems auch als Personen untereinander so ziemlich bedeutungslos, gleichgültig und gleichwertig, aber einige wenige Oligarchen, die sie lenken und beherrschen, sind „gleicher“ als sie. Und wehe, jemand wagte es, diese von Oligarchen geschaffene gesamtheitliche Zusammenfassung ihrer Weltbläschen anzuzweifeln oder sie sogar als ungut zu bezeichnen. Der gilt dann als „out“, ja, muss am Ende sogar vernichtet werden.
Jesus dagegen beruft den einzelnen Menschen nicht zu einem Rädchen in einem Getriebe, das selbsternannte Weltoligarchen ersonnen haben, sondern zu einem lebendigen Glied, zu einem würdigen Mitarbeiter in und an der Gesamtheit der Schöpfungswelt, auch nach dem physischen Tod.