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Zum Verhältnis von Leib und Seele

Die Geistseele, die das Bewusstsein und das leibliche Innesein der Persönlichkeit ausmacht, steht in einer lebendigen Symbiose mit dem relativ autonomen physischen Körper, dessen Zellen ihr je eigenes Leben haben und wiederum untereinander in einem sie steuernden Bewusstsein verbunden sind, das nicht identisch ist mit unserem persönlichen Erleben und Wirken.

Man unterscheidet von alters her zwischen Körper und Seele bzw. Geistseele. Das bedeutet aber nicht, dass die Seele oder Geistseele als solche form- oder körperlos sei.

Anschauungen wie diese kamen erst während des Mittelalters, vorzugsweise zwischen dem elften und dreizehnten Jahrhundert durch muslimische Gelehrte, die die Werke des Aristoteles übersetzten und fehlinterpretierten, indem sie die Entelechie einer Person mit dem in ihr wirkenden allgemeinen Vernunftprinzip gleichsetzten. Zu solchen Gelehrten zählten Averroes (Ibn Rushd, 1126 bis 1198) und Avicenna (Ibn Sina, 980 bis 1037). Derartige Anschauungen taten ihre Wirkung in den folgenden Jahrhunderten und führten unter dem Einfluss des Philosophen Descartes seit dem 17. Jahrhundert zu einem radikalen Dualismus zwischen Körper und Geistseele, der noch immer nicht überwunden ist. In diesem Dualismus wird die Geistseele als ausgedünnter dimensionsloser Ichpunkt aufgefasst, der auf irgendeine magische Weise auf eine völlig tote Körpermaschine einwirkt. Das Wirkungszentrum dieses ausgedünnten Egos verortete Descartes in der Epiphyse. Heute verorten – aufbauend auf dieser falschen Theorie – moderne Neurologen das Bewusstsein und die Persönlichkeit im Gehirn und sehen den übrigen Körper nach wie vor als eine Maschine an, die vom Gehirn gesteuert würde. Dabei wird vergessen, dass diese vermeintliche „Maschine“ durchaus über autonome Kräfte verfügt und dass Gewohnheiten sowie Erlebnisse, Gefühle und Emotionen leiblich imprägniert werden. Wir erfahren unseren Körper also nicht als eine Maschine, die wir als Homunculus vom Gehirn aus dirigieren, sondern als leiblich ausgedehntes Bewusstseinsfeld. Darüber hinaus verfügt jede einzelne Zelle unseres Körpers über eine eigene Empfindungsfähigkeit und somit über ein eigenes „kleines“ Bewusstsein und ist als solche wiederum in einen größeren Bewusstseinsverband eingeschlossen, der gleichsam von einem höheren Wesen zusammengehalten wird und relativ unabhängig von unserem persönlichen Bewusstsein existiert. Somit leben wir – als selbstbewusste Persönlichkeit im Innesein unseres Leibes mit unserem physischen Körper und dessen Funktionen in einer lebendigen Symbiose. Unser persönliches Bewusstsein durchdringt das Eigenbewusstsein unseres Leibes aber nicht vollständig. Diesen Leib als Maschine anzusehen, in dessen Bauplan und Wirkungsfaktoren manipulativ und verändernd eingegriffen werden kann – zu vermeintlich erreichbaren Zwecken – ist daher ein schwerwiegender und folgenschwerer Irrtum. Es kann nicht darum gehen, die vermeintliche Körpermaschine in ihren gar nicht vollständig erfassten lebendigen Funktionen durch äußere Mittel und Einflüsse zu manipulieren, um einen vermeintlich guten Zweck zu erreichen, sondern die bewusste Herrschaft des Ichs über den Leib zu gewinnen. Nur auf diese Weise lässt sich auch das Immunsystem in ganz bedeutendem Maße stärken. Medikamente können und dürfen daher immer nur adjuvant, zur Erleichterung des biologischen Eigenhaushaltes eingesetzt werden, diesen selbst aber nicht umzumodeln und zu fremden Zwecken zu missbrauchen versuchen.