Illusionen, 2000, Isograph auf Zeichenpapier

Über das Wesen des Geistes

Materie ist eine besondere Erscheinungsform des Geistes.

Was ist Geist? Geist ist die schöpferische, bewegende Kraft, die von einem Wesen mit Bewusstsein ausgeht.

Gott ist das Urwesen des Bewusstseins. Insofern ist alles Geist, aber nicht alles auf dieselbe Weise. Wenn wir einer menschlichen Person oder einem Tierwesen in die Augen schauen, begegnet uns in ihrem Blick zugleich auch ihr Bewusstsein, wenn wir dieses auch, zumal in seiner subjektiven Perspektive, nicht vollständig begreifen. Aber wir dürfen doch sagen: Wir „erkennen“ ihr Wesen in seiner Einzigartigkeit und wesenhaften Wirklichkeit.

Wenn wir einen toten Gegenstand betrachten, sagt uns dieser kaum etwas über sein Wesen an sich aus. Es stellt sich die Frage: Zeigen sich uns die materiellen Gegenstände, die unsere Sinne erfassen, in ihrem Wesen tatsächlich so, wie sie uns erscheinen? Oder trügen uns die Sinne, indem uns ihr Wesen verschlossen bleibt? Machen sie uns etwas ganz anderes glauben, als was sie in Wahrheit sind? Müssen nicht auch Gegenstände ein subjektives Innenleben haben, also irgendwie psychisch-geistig sein? Eines dürfte klar sein: Allein an ihrer Außenseite erkennen wir die Dinge nicht. Farben sind äußere Erscheinungsweisen, denen aber eine objektive überindividuelle Beschaffenheit im Wechselspiel von Licht und Finsternis zugrunde liegt, die die Oberflächenstruktur der Objekte widerspiegelt. Aber auch der Raum in seinen Tiefen ist noch eine Außenseite der Objekte. Hinter dem Raum der Objekte liegt eine verschlossene Geistsubstanz. Daher wird die materielle Welt im Hinduismus „Maya“ genannt, was soviel wie „trügerischer Schein“ bedeutet und darauf hinweist, dass die materiellen Objekte unserer Welt anders erscheinen, als sie in Wahrheit sind.