Jesus zu Beginn seiner zwanziger Jahre, 1997, Buntfarbstiftzeichnung
Jesus zu Beginn seiner zwanziger Jahre, 1997, Buntfarbstiftzeichnung

Über Spötter und schlechte Kabarettisten

Schlechte Witze verdunkeln den Geist, gute Witze können erleuchten.

Dumme Witze ziehen den Geist herunter.

Geistreiche Witze wecken Erkenntnis und das Aha-Erlebnis einer Erleuchtung. Schlechte Witze sind vorhersagbar. Ihre Absicht ist von vorn herein erkennbar. Ihr Ziel ist ein voreingenommener Standpunkt. So ist auch der dümmste Witz derjenige, der auf die persönliche Diffamierung eines Menschen aus ist. Er enthüllt zugleich eine niedrige und bösartige Gesinnung. Kabarettisten, die sich über schlechte Filme und bösartige Menschen mit obszönen Worten aufgeilen, begeben sich unwissentlich in die geistigen Niederungen derer, die sie sie zu kritisieren vorgeben. Sie bleiben in diesen Niederungen gefangen. Ihr Lachen drückt Überheblichkeit aus. Es ist darüber hinaus erzwungen, da es sich in der ausgiebigen Beschäftigung mit den Niederungen ihrer betrachteten geistiger Produkte nicht weit genug über diese erheben kann, um ein befreiendes Lachen zu sein. Ein befreiendes Lachen ist immer versöhnlich, ein dummes Lachen verächtlich. Selbst wenn der Spötter es versöhnlich nennen mag, so versöhnt er sich doch nur mit dem verächtlich Gemeinten, mit dem er sich durch seine Kritik infiziert. Er schadet sich durch seine Haltung selbst und kann zu keiner höheren Erkenntnis kommen. Wer darüber hinaus Menschen persönlich verspottet, beweist seine Bösartigkeit. Leute, die ich auf diese Weise entlarven, sollte man meiden. Witze, die auf die Vernichtung eines Menschen aus sind, können niemals gut sein. Dagegen können Humor und Ironie, sofern sie Verhaltensweisen betreffen, treffend und geistreich sein. Ein oberflächlicher Zeitgeist, der sich moralische Dummheit auf seine Fahne geschrieben hat, ist freilich blind und nicht zu einer Unterscheidung fähig. Er ist von Hass und Bosheit getrieben. Bosheit und Hass haben aber, im Gegensatz zu einem gerechten Zorn, immer ein Ziel vor Augen: Die Ausschaltung eines persönlichen Gegners, der den eigenen Plänen im Wege steht. Es muss freilich ein starker, ein zumindest stark überschätzter Gegner sein, an dem sich das Böse abmüht, ihn klein zu machen. Das Lachen der Bosheit kommt stoßweise heraus. Es wirkt erzwungen und würgt den Lachenden selbst.